Das Münchner Eingewöhnungsmodell – Welches Modell passt zu wem?

Zwei Kinder von Hinten mit Kita Rucksäcken

Wie schnell die Zeit vergeht merkt man vor allem dann, wenn der erste Tag in der Kita bevorsteht. Ich glaube ich war nervöser als meine Kinder. Denn auch als Eltern ist es ein großer Schritt, denn man muss Vertrauen und Loslassen können. Um den Kindern und auch Eltern die Trennung leichter zu machen, gibt es eine Zeit, in der sich alle an die neue Situation und die dazugehörigen Menschen gewöhnen können: die Eingewöhnung. Anhand von Fachstudien wurden Modelle entwickelt, um einen liebevollen und einfachen Übergang von der elterlichen Betreuung zur Fremdbetreuung zu schaffen. Doch wie schafft man es bei den ganzen Modellen den Überblick zu behalten? Ich habe das Münchner Eingewöhnungsmodell genauer betrachtet:

Das Münchner Eingewöhnungsmodell oder doch lieber Berlin?

Das Konzept der Eingewöhnung nach dem Berliner Modell zielt auf eine zügige Trennung zwischen Eltern und Kindern. Ab Tag vier wird der erste Trennungsversuch unternommen mit dem Ziel, das Kind schnell an die Trennung von den Eltern zu gewöhnen. Dabei wird nach jedem Trennungsversuch neu ermittelt, ob das Kind der Situation gewachsen ist und sich trösten lässt. Je nach Kind kann die Eingewöhnungsphase so kurz und schmerzlos gestaltet werden. 

Der Schwerpunkt des Münchner Eingewöhnungsmodells liegt auf dem Übergang der Betreuung hin zur Fremdbetreuung. So lernen Eltern und Kind gemeinsam den neuen Tagesablauf des Kindes kennen und auch Omas und Opas, oder wer auch immer dem Kind nahe steht, verbringt abwechselnd die Tage mit dem neuen Kitakind. Die erste Trennung findet frühestens in der dritten Woche der Eingewöhnung statt, wenn das Kind Grundvertrauen zu den Bezugserzieher*innen aufbauen konnte. 

Zwei Kinder in Walkanzügen von hinten

Das Konzept

Das Konzept des Münchner Eingewöhnungsmodell beruht auf den Grundlagen des Berliner Eingewöhnungsmodelles, dem wohl gängigste Modell beim Start der Kindergartenzeit. Entwickelt von Professor E. Kuno Beller in einem wissenschaftlichen Projekt, in dem das Kind als kompetent und individuell wahrgenommen werden soll. Die Kinder sollen die Eingewöhnung aktiv mitgestalten. Genau wie in der Berliner Schwester beläuft sich die Eingewöhnungszeit auf vier Wochen und gliedert sich in Vorbereitung- Kennenlernen – Sicherheit – Vertrauen.

Zwischen dem Kind, den Eltern (oder Omas und Opas etc.) und den Erzieher*innen soll so eine vertrauensvolle Beziehung aufgebaut werden können.

Die fünf Phasen

Die fünf Phasen des Münchner Eingewöhnungsmodells sollen einen einfachen und liebevollen Übergang in den neuen Alltag ermöglichen. Das Kind soll dabei Vertrauen fassen und sich sicher fühlen. 

1. Vorbereitungsphase

In der Vorbereitungsphase steht der Austausch zwischen Einrichtung und der Familie mit dem Kind im Vordergrund. Die individuellen Bedürfnisse des Kindes werden dabei beachtet und gemeinsam ein Weg für einen liebevollen Einstieg gesucht. 

2. Kennenlernphase

Im Münchner Eingewöhnungsmodell geht man davon aus, dass Kinder durch Beobachten Abläufe verstehen und sich dafür interessieren. Deshalb ist es wichtig, dass die Familien gemeinsam mit dem Kind den neuen Alltag kennenlernen und solange es allen gut damit geht bleiben und spielen.  

3. Sicherheitsphase

In der zweiten Woche der Eingewöhnung fangen die familiären Bezugspersonen langsam an sich etwas zurück zuziehen und die Erzieher*innen bauen die Bindung zu dem Kind auf. Die Kinder sollen die Bestandskinder beobachten und anhand des Umgangs mit dem Betreuer*innen sehen, dass sie Vertrauenssoll sind und so eine Bindung aufbauen.

4. Vertrauensphase

In der dritten Woche findet die erste Trennung statt, falls das Kind einen festen Ansprechpartner akzeptiert hat. In immer länger werdenden Intervallen verlassen die Eltern den Raum. Hier wird nicht abgebrochen, falls die Kinder weinen, denn so sollen sie den Trennungsschmerz ausleben und verarbeiten.

5. Reflexionsphase

Die ganze Zeit stehen Eltern und Erzieher*innen im neuen Kontakt. nach ca. sechs Wochen wird ein Fazit gezogen und über das Verhalten des Kindes gesprochen. Dabei ist auch das Verhalten zu Hause wichtig. Je nach Kind dauert die Eingewöhnung nach dem Münchener Modell so vier bis sechs Wochen.  

Wie kam es zum Münchner Modell

Professor Beller entwickelte das Münchner Eingewöhnungsmodell auf der Grundlage des Berliner Modells. Beller ging dabei von der Studienlage aus, dass Kinder schon ab Säuglingsalter kompetent sind. Außerdem konnte er aus der Säuglings- und Kleinkindforschung rausziehen, dass Kinder von Kindern lernen. Sie beobachten und übernehmen Verhaltensweisen. Also nahm er die Erkenntnis in sein wissenschaftliches Projekt mit auf, ein Modell zu entwickeln dass darauf basiert. Die Kleinkinder sollen nicht eingewöhnt werden, sie gewöhnen sich ein, in dem sie beobachten und spielen. 

Dabei ging Beller nicht nur auf das Problem der Trennung von den Eltern ein. Er beschäftigte sich mit den Eltern, denen das Loslassen zum Teil ebenso schwer fällt. Die Ängste und Sorgen der Eltern übertragen sich auf das Kind und eine einfache Eingewöhnung ist gefährdet. 

Dadurch, dass die Eltern Zeit mit den Erzieher*innen verbringen können sie vertrauen fassen und ihre Kinder leichter loslassen. Man will seine Kleinen ja in liebevollen und nicht komplett Fremden Händen wissen. 

Blondes Kind sitzt in Waldhütte

Wurde es das Münchner Eingewöhnungsmodell?

Beide Konzepte haben ihre Vor- und Nachteile. Wir haben uns ursprünglich für das Münchner Modell entschieden, unsere Kinder hatten andere Pläne. Dadurch, dass sie schon durch unsere fantastische Tagesmutter wussten, wie das mit der Trennung funktioniert waren wir schnell vergessen.

Mein Herz hatte es ein bisschen schwerer. Doch auch ich glaube an das kompetente Kind und bin sicher, dass unsere Mädchen uns mitteilen würden, wenn sie sich nicht wohl fühlen. Ich gebe ab und vertraue. Und sie danken es mir mit strahlenden Augen und Kooperation.

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