Brei, BLW oder Fingerfood|Der Weg ist das Ziel

Sobald das Kind 3 Monate alt war fingen die Fragen an. Wann wir denn endlich mal mit Brei anfangen werden, selbst kochen oder Gläschen? Und überhaupt immer erstmal Karotte, am besten packst du das schon mit in die Flasche, dann bekommt sie ne schöne Farbe.

Bei so einigen Aussagen haben sich meine Fussnägel bis zu meinem Scheitel gerollt, soviel kann ich euch verraten. Das wir Beikostreifezeichen abwarten wollen stieß auf viele taube Ohren, wenn ich dann noch in den Raum warf, dass ich nicht vorhabe Brei zu füttern, war das Unverständnis auf einem neuen Level.

Tatsächlich empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) keinen Beginn von Beikost vor dem 6. Monat. Aus gutem Grund, denn die Darmreife ist dann erst gegeben. Und hier stellt sich mir oft die Frage warum wir dem medizinischen Fortschritt so vertrauen, uns immer wieder darauf berufen, aber wenn es um unsere Babys geht soviel Ignoranz zeigen. Nur, weil man ja früher auch groß wurde oder aus irgendwelchen anderen fadenscheinigen Grundlagen der nicht mehr ganz so aktuellen Schulmedizin in die Jahre gekommener Kinderärzte.

Die Beikostreifezeichen sind eindeutig, wir haben also gewartet bis diese erfüllt waren. Der nächste Aufschrei ging durch die Familie und den engeren Kreis flüchtiger Bekanntschaften und Freunde. Wir. Geben. Keinen. Brei. Auch keine Gläschen und nein, wir pürieren auch unser Essen nicht für den Nachwuchs. Auch nicht wenns der Thermomix macht, ehrlich. Ich möchte unsere Art von Nahrungsaufnahme nicht BLW nennen, da wir klassisch kein BLW betreiben. Auch Fingerfood kann man es nicht nennen, denn unsere kleine Madam macht sich die Hände nicht gerne dreckig. Wir essen am Familientisch. Punkt. Ein Unding.

Sehr oft mussten wir hier schon Rechtfertigungsarbeit leisten, wir missionieren wo wir können und müssen uns immer wieder durchsetzen. Diskussionen gehen wir mittlerweile aus dem Weg, es ist ein Kampf gegen Windmühlen.

Meine Mutter zum Beispiel war regelrecht enttäuscht, dass nun das füttern ja ausbleibt obwohl das doch der größte Spaß sei. Mittlerweile macht es ihr die größte Freude Knatschi beim Essen zuzuschauen und ich meine Stolz in ihren Augen zu erkennen wenn sie sieht wie selbstverständlich ihre 6 Monate alte Enkelin sich den Löffel eigenständig zum Mund führt und ein „Mhhhhhh“ von sich gibt wenn etwas besonders lecker schmeckt. Meine Schwiegermutter findet es toll wie die Perle isst, betont aber immer wieder, dass sie ja früher auch das Essen ungewürzt püriert hat und den Kindern gegeben hat. Sie darauf hinzuweisen das wir würzen und nicht pürieren ist zu einem Spiel geworden, das wir mit einem Grinsen spielen.

Wir wurden allerdings auch mit viel Halbwissen und Ammenmärchen konfrontiert und das hat mich zum Teil schockiert. Ist es nicht die natürlichste Ernährungsform seit Anbeginn aller Zeiten? Zu gerne Stelle ich mir Mama Neandertaler vor, wie sie mit Schürze und Dampfgarer bewaffnet vorm Lagerfeuer hin und her läuft und verzweifelt nach einer Steckdose für den neuen Stabmixer sucht, sicher ein Bild für die Götter.

Was macht ihr denn wenn sie sich verschluckt, die erstickt doch dann? Meine Lieblingsfrage, die ich am liebsten mit einer Gegenfrage beantworte: „Wenn dein Kind sich an Brei verschluckt, was machst du denn dann, das erstickt doch?!“

Nein! Natürlich nicht, denn, wie alle besorgten Eltern habe ich mich mit dem Thema auseinandergesetzt, recherchiert, mich informiert und mir Handgriffe zur Ersten Hilfe zeigen lassen. Das sollte allerdings unabhängig von Fütterungsmethoden stattfinden. Ich habe Bücher gelesen, kann mich also auf mehr als Foren und Blogs berufen, ich habe mir einen recht fundierten Wissenschatz angeeignet.

Mein zweiter Punkt beruht ebenfalls auf Recherche. Ich bzw. Wir haben für uns beschlossen, dass durch den Würgereflex von Babys, der sich auf der Zunge befindet, also noch weit vor den Atemwegen einsetzt, die Gefahr durch Ersticken bei fester Nahrung wesentlich geringer ist als bei einer breiigen Konsistenz, die, im Ernstfall, nicht oder nur schwer hochgewürgt werden kann.

Außerdem bin ich faul, gebe ich ehrlich zu, und ich finde die Tatsache nur einmal zu kochen und die ganze Familie satt zu bekommen sehr sympathisch. Ich koche salzarm, wir würzen am Tisch nach, somit bekommt das Kind 1:1 was wir essen.

Da sie sich weigert ihre hübschen Fingerchen zu bematschen und lieber mit dem Löffel ist bekommt sie Buchstabennudeln statt Spaghetti und co, einen Löffel und alle Zeit der Welt. Geht es dann nicht schnell genug oder ihre Frustrationsgrenze ist erreicht, dann hält sie uns den Löffel bereitwillig hin und wir dürfen assistieren. Wir respektieren ihre Grenzen, hat sie keine Lust zu essen, dann muss sie nicht. An manchen Tagen überraschen mich die Mengen, die in dem kleinen Körper verschwinden, an anderen Tagen verweigert sie jegliche feste Nahrung und begnügt sich mit ihrer Milch.

Und auch dass ist vollkommen okay, denn sie soll selbst entscheiden, ab wann sie auf Milch verzichten möchte. Wir ersetzen keine Milchmahlzeit mit fester Nahrung. Das ist auch schwierig, da wir nicht nach Zeiten sondern nach Bedarf füttern. Viele vergessen meiner Meinung nach das es sich lediglich um Beikost handelt und die Milch der Hauptbestandteil des ersten Jahres ist/sein sollte.

Ich habe keine Ahnung wieviel Gramm das Kind isst, ich habe keine Ahnung wie viel Tatsächlich im Bauch landet, ich habe keine Ahnung ob sie satt ist, keine Lust mehr hat oder einfach zu müde um weiter zu essen. Aber ich weiss das ich ein glückliches Kind habe. Ein Kind, dass mit sehr viel Spass isst. Ein Kind, das seine Grenzen selbst entdecken darf, das nicht zugestopft wird. Sie wird nie in den Genuss kommen ein Löffelchen für Mama zu essen. Und eins für Papa und am Besten noch eins für Oma. Sie muss auch nicht leer essen, denn wenn sie satt ist nutzt es den armen, hungrigen Kindern in Afrika leider nichts wenn sie auch noch den letzten Rest in sich rein stopft.

Für uns ist das der richtige Weg, der einzige Weg und wir gehen ihn weiter. Wir zwingen ihn natürlich, ausser innerhalb der Familie, niemanden auf. Ich habe niemanden im Freundeskreis der so füttert wie wir. Das ist auch völlig okay. Im Endeffekt steht vor allem das Wohl des Kindes.

2 Comments on “Brei, BLW oder Fingerfood|Der Weg ist das Ziel

  1. Ich finde es cool dass sie so früh selbstständig ist.Ich wäre froh gewesen wenn es bei uns auch so schnell gegangen wäre.Meine Kinder haben auch sehr schnell das zu essen bekommen was auf dem Herd stand.Wenn ein Kind alles verträgt ist es doch ein Seegen.

    Liken

  2. Richtig toll, da hab ich noch nie von gehört! Ich hoffe ich werde noch mehrere praktischen Tipps voller Menschenverstand bei dir lesen. 🙂
    Liebe Grüße,
    Luisa

    Liken

Schreibe eine Antwort zu Nadine Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: