Attachment Dreaming| Warum ich einen Schreibtisch brauche

Selbständigkeit. Wir erziehen unsere Kinder dazu, Selbständig zu sein, frei denken zu können, geben Ihnen alles mit um ihre Kreativität ausleben zu können. Bestärken sie darin, nur das zu tun, was ihnen Spaß macht, sich nicht zu verbiegen. „Sei frech, wild und wunderbar“ ist der Schlachtruf unserer Generation.Doch Erstens kommt es anders…

Kommt es allerdings zur Berufswahl, da wankt unser Kampfschrei und die leise Stimme der vermeintlichen Vernunft ergreift besitzt von unserer geschwächten, leicht verwirrten, Beständigkeit. Mit sanfter, verführerischer Stimme säuselt sie ihre vergifteten Mantren in unseren empfänglichen Ohren. Sät Zweifel und Ängste, weckt falsche Motivationen und Gier. Und aus frech und wild und wunderbar wird professionell und angepasst und angestellt. Aus Bedürfnisorientiert wird Karrieregeil und überhaupt werden die eigenen Bedürfnisse hinten angestellt, Lehrjahre sind keine Herrenjahrr meine Damen und Herren.

Und dann lernt man ihn, den Beruf, studiert, tut und macht und die Träume bleiben unverwirklicht oder auch nicht. Hat man sich doch so ausgesucht, wollte man doch nicht anders, hat man doch vorher gewusst. Geld regiert den Alltag, es verdienen -Rechnungen bezahlen- neues verdienen, ein nie endender Kreislauf. Ein Lebensstandard der uns zwingt immer mehr zu wollen ohne mehr zu haben.

Und das, was mal so wichtig war, das verblasst, liegt irgendwo unter einem Stapel Rechnungen und wartet und wartet und wird vermutlich noch da liegen, wenn die Zeit vorbei ist und dann, ja dann. Dann sitzen wir aufgelöst in unseren abbezahlten Häusern mit der Garage und dem Neuwagen und den 1,5 Kindern vor unseren geplatzten Träumen, nie erfüllten Wünschen und fragen uns, ob es das Wert war.

…und Zweitens als man denkt.

Bin ich glücklich mit dem was ich mache? Ganz klares Nein. Werde ich es ändern? Absolut. Wie? Das weiß ich noch nicht, das stellt mich vor Herausforderungen und Herausforderungen sind gut. Sie sind eine treibende Kraft. Ich brauche Druck. Ich habe so viele Träume, Wünsche und Bedürfnisse, so viele Ziele und Phantastareien.

Manchmal würde ich gern alles hinschmeissen, alles verkaufen, meinen Mann schnappen und dir Welt bereisen. Von Tag zu Tag leben, Dayjobs machen und fremde Kulturen erleben. Ein unrealistischer Traum, einen, den ich von der heimischen Couch aus Träume. Unrealistisch aber wichtig, meine Hintertür wenn die Last auf den Schultern damit droht mich zu erdrücken.

Schreiben war schon immer mein Ding. Hat eine therapeutische Wirkung auf mich. Das geschriebene Wort ist so vielseitig, so komplex und kann, mit ein bisschen Geschick, Berge versetzen. Mit Schreiben Rechnungen bezahlen, ein kleiner, bislang unerfüllter Traum. Unerfüllt vor allem deshalb, weil ich mich nicht verbiegen will. Weil ich nicht über Dinge schreiben kann die ich scheisse finde und weil, ja warum eigentlich? Wahrscheinlich weil mich einfach niemand für meine Wortkotze bezahlen will.

Dieses Küchending. Seit mein Mann mich kennt rede ich davon. Und vor ihm schon. Ich liebe kochen, backen, einmachen. Ich bin die perfekte Oma, irgendwann, wenn’s mal so weit ist, in 100 Jahren oder so. Eine kleine Manufaktur. In der eigenen Küche. Ein kleines Fenster aus dem im Streetfoodstyle Essen und Trinken verkauft wird, selbst gemachtes, aber eben nicht fancy- eher Erbsensuppe mit Würstchen statt Topinambursouflée mit Scampi. Kein Champagner sondern Apfelsaft- selbst entsaftet aus heimischen Äpfeln versteht sich. Und wenn all dann all und Fenster zu.

1000 Ideen, alle in meinem Kopf und jede einzelne schreit mich Tag für Tag an, will gehört und Umgesetzt werden. Und ich?! Ich sitze mit eingezogenem Schwanz unter meinem nicht vorhandenen Schreibtisch, umgeben von Rechnungen und sage Dinge wie „gleich, später, bald“ und verspreche mir Dinge von denen ich weiß das ich sie nicht halten werde.

Gleich. Später. Bald. Phrasen, die wir bei unseren Kindern vermeiden wollen. Wir animieren unsere Kinder Träume zu haben. Und unsere eigenen schaffen es nicht unterm Schreibtisch raus. Den wir besitzen oder auch nicht. Lassen unsere Träume schreien, sperren sie weg und schimpfen uns selbst und schränken uns ein. Eine Doppelmoral erster Klasse.

Schluss damit. Es wird sich etwas verändern. Ich werde etwas verändern. Was und wie, das weiß ich noch nicht. Aber ich werde unter meinem Schreibtisch, den ich nicht habe, hervorkommen und mir meine Gedanken anhören, sie ausreden lassen und auf Ihre Bedürfnisse eingehen. Und ich werde wieder frei sein. Und frech und wild und wunderbar.

Und vielleicht fange ich mit einem Schreibtisch an.

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