Einsatz mit Baby

Als mein Mann in das Flugzeug nach Mali steigen musste, war unser kleines Mädchen zwei Tage alt und wir noch im Krankenhaus. Gedanken, wie das wohl wird, haben wir uns aber natürlich schon während der Schwangerschaft gemacht.Mir waren einige Dinge sehr wichtig, Welche die Verbindung zwischen Papa und Kind erhalten sollten. In den ersten Lebenswochen, wenn die Babys noch nicht gut sehen können, wird das Erkennen noch über Stimme und Geruch geregelt. Das Kind riecht zum Beispiel die Milch der Mutter und sucht nach der Quelle. Es fühlt sich geborgen, wenn man leise zu ihm spricht. Natürlich ist auch der Tastsinn ausschlaggebend, der ist allerdings nur schwer ersetzbar, wenn der Papa tausende Kilometer entfernt ist.

Um Knatschi ’s Geruchssinn zu überlisten, stellte ich sicher, dass zu jederzeit getragene T-Shirts von meinem Mann in ihrer näheren Umgebung waren. Pascal liess uns schon ein T-Shirt im Krankenhaus, das lag in ihrem Bettchen. Zu Hause angekommen kamen regelmäßig Pakete aus Mali in denen getragene T-Shirts waren. Um den Geruch zu erhalten packte Pascal sie in Zip-Lock-Beutel, so luftdicht verpackt konnte das Kind lange mit seinen Shirts kuscheln. Der selbe Trick funktioniert auch mit Babys, die sich nicht ablegen lassen, einfach in Mamas Pullover wickeln, dann schafft man es oft zumindest mal alleine auf die Toilette.

Wir wollten es dem Papa leichter machen und so bombardierte ich ihn regelrecht mit Bildern, Videos und Geschichten über die Kleine. Da ist jeder Mann anders, manchen hilft es vielleicht auch weniger zu hören, damit das vermissen nicht überhand nimmt. Mein Mann wollte auf dem laufenden gehalten werden und das tat ich. An Tagen, an denen wir nicht telefonieren konnten, schrieb ich ihm Abends lange Berichte, wie unser Tag war, was passiert ist und was wir erlebt haben. Während der ganzen 5 Monate kam es aber doch sehr selten vor, dass er es nicht geschafft hat sich irgendwann am Tag zu melden und sei es nur für ein paar Minuten.

Während dieser Telefonate, meist Videochats, lernte unsere Kleine mein Handy ziemlich schnell kennen, da es ihr immer wieder ins Gesicht gehalten wurde. Von Anfang an wusste sie wo sie hingucken musste und konnte seine Stimme täglich hören. Ich moderierte quasi ein Gespräch zwischen den beiden, steckte viel zurück. Im Normalfall unterstütze ich es nicht, dass Babys schon mit Handys und Tablets spielen, auch Knatschi wird nicht damit in Berührung kommen, sobald ihr Papa wieder da ist. Allerdings war es in diesem Zeitraum, für mich, durchaus vertretbar. So konnte er ihre Entwicklung beobachten und sie hatte ein Bild zu der Stimme. Wenn er heute Anruft, dann freut sie sich und lacht mit ihm, fängt sogar an zu erzählen.

In jedem Paket, dass ich in die Wüste schickte, waren immer wieder entwickelte Bilder von der Kleinen und mir. Auch wenn man sein Handy immer dabei hat, sind so entwickelte Bilder doch immer wieder etwas anderes. In seinem Container hingen überall Bilder von uns und auch seinen Kameraden konnte er so leichter zeigen, wie gross sein ganzer Stolz nun schon ist.

Und auch ich benutzte Zip-Lock-Beutel, um ihm Kleinigkeiten von Julie zu schicken. Als er sich von ihr verabschiedet hat nahm er eins ihrer Spucktücher mit, dass hatte er den kompletten Einsatz in einer seiner Taschen als Glücksbringer. Ihr Fussbändchen hat er sich an seine Erkennungsmarken gehangen. In der Post waren immer mal wieder ein Mützchen, ein Paar Strümpfe oder ein Body, um ihn daran zu erinnern, wie toll Babys riechen.

Noch während meiner Schwangerschaft legten wir uns ein Babyphone zu, mit dem der Zugriff Weltweit moglich war. So konnte Pascal, wenn er ins Bett ging, oder auch mal zwischendurch, sehen was das Kind so treibt und ihr über die Sprechfunktion sogar gute Nacht sagen. Er konnte ihr Schlaflieder anmachen oder ein Nachtlicht, wenn er auf sich aufmerksam machen wollte. Mehr als einmal habe ich, ohne das er es wusste, zugehört, wie die beiden, ohne sich zu sehen, interagieren und wie liebevoll dieser Mann mit unserem kleinen Mädchen umgeht, ohne in ihrer Nähe zu sein.

Ich hoffe, glaube fest daran, dass diese kleinen Massnahmen dazu beigetragen haben, dass wenn wir unseren Soldaten am Flugplatz abholen gehen, sie nicht allzu sehr fremdelt. Natürlich wird es für sie ungewohnt sein, das der Kopf auch einen Körper hat, aber ich denke, dass die zwei sich sehr schnell aneinander gewöhnen werden.

4 Comments on “Einsatz mit Baby

  1. Deine Ideen für die Einsatzpäckchen sind absolut genial und ich bin mal so frei und klaue mir die ein oder andere für unsere Übungen dieses Jahr die alle samt mehrere Wochen dauern…😣 Die T-Shirts meines Mannes liegen ab sofort auch neben unsere schlafenden Tochter! Ich bin selber nicht all zu kreativ und es ist so schön deine Storys zu lesen und in Gedanken eine Verbündete zu haben die auch noch so kreativ ist!😃 Mach weiter so!💪❤
    Ganz liebe Grüße Tabea

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    • Hey, dafür mach ich das 😉 ich wäre froh gewesen den ein oder anderen Tipp zu finden wie man das mit Baby macht. Mit Kindern ist einfacher. Aber mit nem Neugeborenen echt doof 😅Danke für dein liebes Feedback ❤️
      Grüße aus der Eifel, Sandy.

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